Gute Reise mit TUI

Kommt Lisa nach New York?

Feierliche Eroeffnung des TUI Operettenhauses in Hamburg

Foto: Stage-Entertainment

Eröffnung des
TUI Operettenhauses

Mit Feuerwerk und der ersten Aufführung vor Publikum des Musicals “Ich war noch niemals in New York” erstrahlt das Operettenhaus Hamburg in neuem Glanz.

Die MS Deutschland steht bereit, gleich legt sie ab… “Ich war noch niemals in New York”, das Musical mit den Hits von Udo Jürgens zeigt sich in seiner ersten kompletten Aufführung vor Publikum, in einer sogenannten “Fan-Preview”. Was erwartet uns hier? Das Stück beginnt gleich mit einem Knall(er)! Lisa im Konflikt mit ihrer Mutter Maria “Vielen Dank für die Blumen!” Ein musikalisch eindrucksvoller Einstieg ins avisierte Thema “Generationenkonflikt”. Das paßt und läßt einen schwungvollen Abend erhoffen und eine Komödie mit hier und da ein wenig Tiefgang. Aber, na ja, ein Schiff muß oben schwimmen, an der Oberfläche, schon gar, wenn TUI die Reiseleitung übernimmt…

Zwei “Alte” hauen gemeinsam aus dem Altersheim ab, wo sie ihre karrierebewußten Kinder – hier Fernseh-Front-Frau, dort (politisch?) engagierter Pressefotograf geparkt haben. Gleich hier werden die Weichen auf’s Ziel gestellt: engagierter Mann mit ernsthaftem Beruf versus frustrierter Frau, die in eine sinnentleerte Karriere gedrängt wird. Von wem? Von Mutter.

Lisa gönnt sich eine Auszeit im Wellness-Studio, eben hautnah “Alles, was gut tut”, während im Herzen ihrer Mutter Maria leise ein kleiner bunter Schmetterling flattert. Axel wundert sich, was mit seinem Vater Otto los ist, der meint, er müsse mit Maria abhauen, denn beide waren sie noch niemals in “New York”. Aber, so ein Ticket, wer kann sich das als verarmter Musikerrentner schon leisten?! Die billigste Kabine ist außer der Hochzeitssuite gerade noch frei – na, die nehmen wir! Beim Boarding dann die Überraschung: der Vorteil, einen klangvollen Namen zu haben – in diesem Falle, den der Tochter, so landen “die Alten” in der Hochzeitssuite, am “Platz an der Sonne”.

Zur Begrüßung der Gäste an Bord marschieren die Matrosen auf und singen “Buenos Dias, Argentina”. Sind wir auf dem falschen Dampfer!? Nein, nein. Lisa, die für sich und ihrem ungewollten Anhang die Suite gebucht hat, landet Etagen tiefer degradiert nahe dem Maschinenraum. Doch ganz wie sie es gelernt hat, hat sie auch hier “Alles im Griff!”Immerhin, sie sinniert darüber, “Was wichtig ist” – was ihre Mutter ihr einst einbleute… Alle, selbst der Käpten, haben sich auf Maria als den Promi eingeschossen. Kein Wunder, dass sie mit ihrem Liebsten – “Wie könnt’ ich von Dir gehen” – im siebten Himmel schwebt. Schade, dass dieses wundervolle Lied hier so runtergeleiert wird! Dieses Phänomen wird uns im Verlauf der Inszenierung noch zwei- bis dreimal begegnen. Hoffen wir, dass sich das bis zur Premiere ändert. Einige Jürgens-Gassenhauer werden hier mit ironischem Hintersinn vorgebracht, das steht ihnen und dem Stück gut.

Weiter im Plot. Es plätschert sich so dahin:
Wir hören “17 Jahr”…, die zweite Flasche Champagner, die das Hochzeitspaar bestellt, gibt Anlaß, “Schöne Grüße aus der Hölle”erklingen zu lassen. Doch Maria und Otto haben ihren Platz an der Sonne gefunden, und fragen sich nur, warum sie das nicht schon viel früher getan haben. Lisa und ihre Mutter stoßen schon wieder zusammen: stets die gleichen Vorwürfe… Mutter bestreitet selbstredend, ihre Tochter massiv in die Karrierefalle getrieben zu haben, meint heute, Mann UND Beruf sollten Platz in Lisa’s Leben haben. Lisa nimmt es sich zu Herzen, sie verfällt mit Alex in ein romantisches Duett: “Immer wieder geht die Sonne auf!” Ein anderer Konflikt besteht zwischen “Vater und Sohn”. Dein Beruf war mein Feind – sagt Alex zu Otto, dem Musiker. Horchen wir hier auf? Nebenbei, buffomäßig, läuft die Geschichte zwischen den beiden männlichen Assistenten von Lisa. Auch die wollen sich heiraten und erzählen uns ihre Erfahrungen mit dem “Ehrenwerten Haus”. Otto gibt inzwischen Alex Ratschläge, wie er mit Lisa umgehen soll. Die bekommt nämlich auf halbem Weg in seine Arme Muffensausen, fürchtet sich davor, sich zu sehr in einer Beziehung zu engagieren. “Ich weiß, was ich will!” – doch die Karriere geht vor. Also Otto: “Laß ihr Raum… Geh’ mit ihr Tanzen.” Apropos TANZEN: Na, da gibt es doch die Griechen und “Griechischen Wein” – nette Einlage, vom Verlauf der Story ein bißchen an den Haaren herbei gezogen…

Bei diesem ultimativen Jürgens-Hit fällt mir das ständige Mitklatschen der Fans an diesem Abend besonders negativ auf. Ich weiß was Besseres: “Bleib doch bis zum Frühstück!” -
“Aber bitte mit Sahne!”
 Einige weitere Hitanklänge und Lieblingssongsversatzstücke von Meister Jürgens dürfen nicht fehlen. Klingt alles schön rund arrangiert. Durchgehend hörens- und sehenswert sind die Chor- und Ballettnummern. Und Endlich hört Lisa, die sich augenscheinlich zunächst mal für ihre Karriere entscheidet, den ersehnten Satz: Du hast den Fernsehpreis! Na, und den hat sie sich auch redlich gegen die Konkurrenz erkämpft. Lassen sich privates Glück und Topkarriere miteinander vereinen? Das Leben ist schon lange kein Märchen mehr! – wirft Lisa Alex entgegen. Gelegenheit für ein Duett:“Gib mir Deine Angst” – denn einen Meter vorm Ziel gibt man nicht auf.

Bis kurz vor dem Happy End macht die Geschichte Sinn und hier und da nachdenklich darüber, “Was wichtig ist” im Leben. Alex, der erfolgreiche Fotograf, darf unbeirrt seinem Beruf nachgehen. Vielleicht auch deshalb und wegen des Negativbeispiels, das ihm sein Vater war, scheint er nicht so auf Karriere fixiert zu sein wie Lisa. Augenscheinlich kann er jedoch ebenso wenig Zeit für seinen Vater erübrigen, wie Lisa für ihre Mutter. Von ihr bekommt Lisa nun vorgehalten, dass sie jetzt zu ihrem Mann gehöre, nicht auf die Bühne der Preisverleihung! Mutter entschuldigt sich tatsächlich dafür, ihre Tochter zum Erfolg getrieben zu haben: “Ich wollte nur, Du solltest unabhängig sein.” Und jetzt: 10 Zentimeter vorm Ziel umkehren! – seltsame Logik. Selbstverständlich besinnt sich Lisa und fliegt nicht zur Preisverleihung! Wäre ja auch eine völlige Unzumutbarkeit für den frischverliebten Mann, wenn “seine Frau” ihn für ein paar Stunden verläßt, um eine Würdigung ihrer Arbeit in Empfang zu nehmen… Fragt sich der Zuschauer, ob es nicht auch möglich gewesen wäre, dass Alex seine Frau zur Preisverleihung begleitet?! Diese Idee kommt nicht auf. Lisa (Frau des neuen Zeitalters?) muß auf die eigenhändige Entgegennahme und die damit voraussichtlich verbundenen Ovationen verzichten. Das heißt hier “Freiheit wagen”. “Mutter, Du kannst selbstverständlich zu mir ziehen.” Diesen Sinneswandel würdigt die geneigte Zuschauerin als das positive Ende der Story.

“Heute beginnt der Rest Deines Lebens!” Endlich hat Lisa kapiert, dass es für die Frau von Heute wichtiger ist, einen Mann zu haben, als auf der Karriereleiter oben zu stehen. Ich zitiere aus dem Originaltext des genannten Liedes: “…nicht das Rückrat biegen …nicht Deinen Traum verraten … “ Angekommen in New York City, New York, USA, Erde, anno 2007? Das bleibt offen. Schauen wir erwartungsvoll auf den 2. Dezember 2007, den Tag der offiziellen Welturaufführung.